Your Chance: Frau Nick, suchen Sie in der Show "Traumfrau sucht Mann" ein männliches Pendant?
Désirée Nick: Ich habe im Leben schon viele Traummänner gefunden und auch gehabt. Aber ein Traummann kann verheiratet sein, die These vertreten "unsere Liebe braucht doch keinen Trauschein" oder als Geschiedener sagen "Heiraten? Einmal und nie wieder!". Einen Traummann zu treffen ist nicht ausgeschlossen, aber mit seinem Traummann alt zu werden, das war mir bislang nicht vergönnt.
Sie betrachten das Alter als Fortschritt. Kommen damit nur ältere Männer für Sie in Frage?
Im Gegenteil! Ich hatte im Leben immer nur jüngere Männer, idealerweise 5-10 Jahre jünger. Da ich privat so wahnsinnig schüchtern bin, nimmt mir der Vorsprung des Alters die Angst vor den Männern. In älteren Männern sehe ich sofort eine Vaterfigur was ich total unerotisch finde. Hingegen bin ich sehr empfänglich für jungenhaften Charme.
Worauf achten Sie bei einem Mann zuerst?
Auf das Charisma, auf die Aura, auf den Charme und seinen ganz persönlichen Humor. Es zeigt sich schnell, ob da was dahinter ist, Schaumschläger kollabieren bei mir sofort. Ich stehe auf Understatement.
Was reizt Sie an Männern?
Ich lasse mich gern in den Bann ziehen und habe Sinn für Exzentriker. Ein Mann muss Stil haben, großzügig sein und meine Defizite ausgleichen. Es gibt ein paar Dinge, da bin ich brilliant, aber in unendlich vielen Richtungen habe ich Defizite. Ein Mann muss mich schätzen und mir die Angst nehmen.
Ist es für Sie einfach vor der Kamera Gefühle zuzulassen und zu zeigen?
Ich finde, dass die Kamera mir sogar hilft Gefühle zuzulassen, weil an einem Drehtag keine Zeit bleibt für Spielchen wie "ich bin schwer zu haben". Wenn ein Drehplan eingehalten werden muss, kann man Entscheidungen nicht auf die lange Bank schieben und sich nicht hinter Marotten wie "ach Gott ich bin so schüchtern" verstecken. Da heißt es "jetzt mal Butter bei die Fische" und das erspart viel überflüssige Koketterien.
Kann man durch "Traumfrau sucht Mann" bislang unbekannte Seiten an Ihnen entdecken?
Ich würde mal sagen, ausschließlich neue Seiten, denn mein Sinn für Romantik oder die Frau Nick in Sachen Herzensangelegenheiten war im TV nie gefordert. Diese Labels, die man mir bislang in den Medien gegeben hat, sind durch dieses neue Format alle torpediert. Da geht es eben um Emotionen, Gefühle und Liebe und diese sehr persönlichen Seiten waren bislang im TV nie das Thema.
Warum sind heutzutage viele hübsche, interessante, gebildete Frauen ledig?
Das ist doch ganz logisch: ein Zeitphänomen unserer Tage weil die Rollenmodelle sich neu definiert haben und Männer auf den modernen Typus Frau nicht von Hause aus vorbereitet wurden. Viele Motive eine Beziehung einzugehen oder dort zu verharren gibt es gar nicht mehr: die Versorgungsehe zum Beispiel oder aus Angst vor gesellschaftlicher Ächtung ein alleinstehendes Fräulein zu sein.
Alleinerziehend zu sein ist oftmals die bessere Lösung als eine Kompromissehe zu führen. Frauen besitzen heutzutage eben Informationen, Qualifikationen und Unabhängigkeit. Sie haben die Option, gestalte ich mein Leben allein so wie ich es will, oder mache ich mich abhängig von einem Mann? Das alles gab es doch früher gar nicht, Frauen hatten doch gar keine Wahl als sich dem Mann unterzuordnen Gott sei dank haben wir uns aus dieser Opferrolle befreit.
Welchen Tipp können Sie Single-Frauen geben?
Sich in den diversen Interessengebieten die man hat weiterzuentwickeln und über Aktivitäten und Projekte die Zeit alleine so gestalten das man kommunikativ unter Leute kommt: sei es der Gesangsverein, der Reitstall, der historische Verein, die Wandergruppe oder der Malkurs, der Autorenclub, Hauptsache sich nicht einigeln!
Durch welche Eigenschaften haben Sie es geschafft, 25 Jahre lang im Rampenlicht zu stehen und sich dort vor allem zu halten?
Ich hatte keine Wahl. Wenn ich Eigentumswohnungen von Mutti bekommen hätte und mit den Allüren von "also dieses Rollenangebot lehne ich ab, das hab ich nicht nötig", oder "Dschungelfernsehen ist unter meiner Würde", dann wäre es nie was geworden. Ganz oder gar nicht lautet mein Motto und das trifft auf alle Berufe zu. Ich kenne keinen Feierabend und habe aufrichtige Substanz. Hätte ich mich hochgeschlafen, wäre ich auch gescheitert, weil wenn die Affäre vorbei ist, gehen die eroberten Freundschaften gleich mit den Bach runter. Ich habe mich nie mit fremden Federn geschmückt, das zahlt sich jetzt wohl aus.
An welchen Moment Ihrer Laufbahn erinnern Sie sich ganz besonders?
An meine erste Soloshow. Ich wusste, dass ich immer mein Leben als Künstlerin bestreiten werde - egal wo und auf welchem Niveau. Vorher hatte ich große Zweifel, ob mir der Beruf der Schauspielerin eine Heimat bieten könnte, aber seit diesem Abend weiß ich, dass ich die Gabe habe, Menschen in meinen Bann zu ziehen. Für Eintrittsgeld wohlgemerkt.
Trotz Ihres Erfolgs als Dschungelqueen, Beststellerautorin, Entertainerin, Comedy-Queen - sind Sie ein Mädchen aus dem Volk geblieben?
Ich habe diese Erfolge nur aus eigener Kraft einfahren können, weil ich ein Mädchen aus dem Volk bin! Als Hochwohlgeborene oder verwöhntes Millionärsgöre hätte ich meine Karriere nicht gestemmt. Und solange ich noch immer meine große Wäsche selber bügele und täglich die Bäder putze, werde ich auch immer auf dem Teppich bleiben.
Woher nehmen Sie die Energie für all Ihre Projekte?
Aus der Liebe und der Verantwortung zu meinem Sohn und aus der Liebe zu meinem Beruf und zu meinem Publikum! Aus der Liebe zu TV Formaten und der Liebe zu den Fans - ich liebe es zu gestalten: einen Garten genauso wie die Sendezeiten!
Haben Sie schon mal ein Ende Ihrer Showkarriere in Betracht gezogen?
Das täte ich nur im Austausch für eine neue Zukunft, politische Aktivität, Engagement für den Weltfrieden, gemeinnützige Projekte, gesellschaftliche Netzwerkerin, Producerin und natürlich Ehefrau, die dem Mann den Rücken freihält. Um zuhause zu sitzen und Däumchen zu drehen gebe ich den Beruf nicht auf, da muss eine andere Art der Verantwortung an die Stelle treten.
Was würden Sie jungen Talenten mitteilen, das Sie in jungen Jahren selbst gerne gehört hätten?
Ich wurde überall in meiner Jungend abgewiesen, von allen Schauspielschulen, Theatern und Lehrern. Ich habe nirgendwo reingepasst, als Stewardess war ich zu groß, um Hebamme zu werden war mein Abschluss zu schlecht. Man muss das tun, was man liebt und sich dem ohne wenn und aber verschreiben. Man sollte seine Passion herausfinden und dafür gnadenlos alles opfern, nur dann ist man konkurrenzfähig. Mein gesamtes Leben ist ein Exempel für die Kraft der Liebe!